Quartiersplanung: SWR Areal, Tübingen / D

Die Entwicklung des SWR Areals über eine reine gewerbliche Nutzung hinaus bietet die Chance, in einer offenen Bauweise, welche den Österberg prägt, eine vielfältige und bunte Mischung an Wohnformen zu entwickeln, in der eine Nachbarschaftsgemeinschaft entstehen kann.Die neue Bebauung zu integrieren, eine neue qualitätsvolle Nachbarschaft hinzuzufügen und Potenziale aus dieser Entwicklungsmaßnahme für den gesamten Österberg zu ziehen, muss in diesem Sinne das Angebot an die Stadt und Stadtgesellschaft sein.

Das vorgeschlagene Bebauungskonzept ist hierzu räumlich und typologisch im Stadtteil verankert, ist ein Ort mit Identität und Atmosphäre, welcher die Wünsche nach Individualität und Gemeinschaft gleichermaßen befriedigen kann. Selbstverständliche Grundlagen sind dabei ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen und Flächen sowie eine behutsame Nachverdichtung des Stadtteils mit einer angemessenen Dichte. Ebenso wird eine Nachbarschaft entwickelt, die einen sozialen Querschnitt nicht nur ermöglicht, sondern gerade auch Raum gibt, Mischung und Austausch zu leben. Vier Grundideen prägen hierzu den Entwurf:

Häuser im Grünen

Die historische Bautypus der Villa aus Kombination von Gebäude und Garten ist die Grundlage für die städtebauliche Setzung. Der Österberg zeigt eine reiche Vielfalt dieses Typus. Die Setzung von großen Häusern wird fortgeführt und zeitgemäß weiterentwickelt.

Gemeinschaftlicher Park ist Frei- und Aktionsraum für alle

Alle Häuser betten sich in einen Park aus Wiesenflächen und Aktionsfeldern ein. Der Park ist die gestalterische und programmatische Ergänzung zu den Gebäuden. Kleine Nutzgebäude sind gemeinsame Güter und nehmen gemeinschaftliche Nutzungen auf.

Grosse Häuser ermöglichen Vielfalt unter einem Dach

Wohngebäude, SWR-Studiogebäude und der Kindergarten sind als große Häuser konzipiert, die vielfältige Nutzungsoptionen ermöglichen. Wir entwerfen offene und starke Häuser als Basis für Aneignung, in denen sich eine Hausgemeinschaft entwickeln und entfalten kann.

Ein Weg durch den Park verbindet

Das Areal bleibt autofrei. Eine gemeinsame Tiefgarage fängt die Autos an zentraler Stelle ab. Ein attraktiver Weg durch den Park für Fussgänger und Radfahrer ist nicht nur Erschließungselement sondern auch Kommunikationsraum und Achse, die alle zusammenbindet.

Städtebauliches Konzept

Die neue Bebauung orientiert sich an der offenen Bauweise des Österbergs. Sie greift die Körnung und Maßstäblichkeit der großen Villen-Häuser in der Umgebung auf und bettet sich so in den Gesamtkontext ein. Dadurch entsteht keineeigenständige Siedlung sondern ein Quartier, das die Morphologie des Österbergs ergänzt, interpretiert und weiterbaut.

Die großen Häusern sind die Basis für Vielfalt und Lebendigkeit. Sie bilden überschaubare Einheiten aus, die Hausgemeinschaft ermöglichen. Beziehungen und Nachbarschaften entstehen zwischen und in den Häusern. Die städtebauliche und architektonische Setzung formuliert dies im Raum aus.

Den Typus der historischen Villa aufzugreifen bedeutet auch im Freiraum auf den Kontext des Österbergs einzugehen. Die Gebäude in große Freiräume einzubetten, ermöglicht Raum für gemeinschaftliches Leben auch draußen. Der Park ist geteiltes Gut aller. Durch seine Größe sind kleine Nutzgebäude und Nutzungsbereiche möglich, die das Nutzungsangebot ergänzen.

Typologien & Grundrisse

In den großen Gebäuden ist eine Vielfalt an unterschiedlichen Wohnformen und auch Kombinationen von Wohnen und Arbeiten möglich. Vom Studio (1-Zimmer) bis zu 5-Zimmer-Wohnungen sowohl frei finanziert sowie gefördert (Fairer Wohnen Konzept) und Ausbauwohnungen befinden sich in einem Haus. Alle Wohnungen sind barrierefrei entworfen, ein rollstuhlgerechter Umbau nach dem READY-Prinzip ist möglich. Aufgrund der Lage der Schächte und des Allraumkonzeptes ist es möglich Wohnungen zu kombinieren und neue Wohnformen wie Clusterwohnungen anzubieten. Durch diese Mischung wird das Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen möglich. Eine höhere bauliche Ausnutzung wird für gemeinschaftliche Nutzungen wie Gemeinschaftsterrassen, integrierte Fahrradräume und Müllräume verwendet. Eine +Zoneum den Erschließungskern bildet die Basis für Austausch und Kommunikation sowie die Integration von Sondernutzungen.

Freiraum

Unterschiedlichste Menschen werden durch die angebotenen vielfältigen Wohnformen an diesem Ort leben. Die städtebauliche Setzung mit dem gemeinsamen Park bietet Freiräume an, an denen sich die Be- wie auch Anwohner treffen können. Der Park als zentraler Treffpunkt mit den Nutzgebäuden, Kinderspiel und dem zentralen Erschließungsweg werden ergänzt durch gestaltete Schwellenräume zwischen dem Privaten und Öffentlichen. Die Raumzonierungen schaffen unterschiedliche Kontaktmöglichkeiten zwischen den Bewohnern: geplant oder zufällig, man sieht sich, begegnet sich, redet miteinander, verbringt Zeit. Es ist Raum für Austausch, Spiel und Feste.

Verfasser
SUS
Auftraggeber
Südwestrundfunk in Kooperation mit Stadt Tübingen
Zeitraum
2019
Fläche / Bauvolumen
1,8 ha / 11 m2 BGF
Programm
Entwicklung eines Neubaus für den SWR, Wohnnutzung sowie Kindergarten
Verfahren
städtebauliche Mehrfachbeauftragung / 4. Rang

Prof. Dr. Martina Baum
Gaisburgstraße 21
70187 Stuttgart
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M +49 176 84 00 68 05
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Universität Stuttgart, SuE: Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen