Leitbild: Räumliches Leitbild Karlsruhe / D
Robustes Gerüst für die Zukunft

Das Räumliche Leitbild Karlsruhe 2050 ist ein starkes Gerüst, das auf Robustheit und Dauerhaftigkeit angelegt ist und als einprägsames Bild dient, an dem sich zukünftige Entscheidungen orientieren können. Aus der »Stadt der Freiräume«, der »Stadt der Nachbarschaften«, der »Stadt der produktiven Welten«, der »5-Minuten-Stadt« und der »Stadt der Schnittstellen« entsteht auf dem Grundriss der alten, auf der Form beruhenden Idealstadt eine neue Vision, deren Ideale sich in klaren, ineinandergreifenden Qualitätsprinzipien definieren. Durch gegenseitige Verzahnung erwachen die Ebenen zum Leben und machen die Stadt neu und interessant. Jede Ebene steuert ein besonderes Bild mit eigenen Inhalten und Schwerpunkten zu dieser neuen Stadt bei. Durch Überlagerung bilden sich differenzierte Synergien und ganz unterschiedliche Orte, dichtere und weniger dichte Bereiche, mit ortsspezifischen Qualitätsmerkmalen. Der »Ring« zwischen innerer und äußerer Stadt tritt dabei als neues Element mit hoher Inhalts- und Bedeutungsdichte hervor und nimmt, gemeinsam mit der Qualifizierung der inneren Stadt, zukünftig eine tragende und robuste Rolle im Umsetzungsprozess ein.

5-Minuten-Stadt

Mobilität und Erreichbarkeit sind ein prioritäres Merkmal der Lebensqualität zukünftiger Städte. Karlsruhe setzt nicht auf die bevorzugte Förderung eines bestimmten Verkehrsmittels oder Antriebprinzips, sondern auf die konsequente Umsetzung eines Erreichbar-keitssystems im 5-Minuten-Raster im gesamten Stadtgebiet, durch Synchronisation von Infrastruktur, Ausstattung und Mobilitätsverhalten. Damit leistet die Stadt Karlsruhe in Sachen Mobilität ein weiteres Mal Pionierarbeit und denkt die Idealstadt dabei neu: nicht mehr als „Formsache“, sondern als hocheffizientes Prinzip, dessen alltägliche Benutzung angenehm, einfach verständlich und komfortabel ist.

Stadt der Schnittstellen

Die Stadt der Schnittstellen aktiviert die Orte der Verflechtung Karlsruhes nach außen. Die Schnittstellen haben eine herausgehobene funktionale Bedeutung, dienen als Visitenkarte und Orientierungspunkte in der Stadt und werden dementsprechend städtebaulich und stadtgestalterisch besonders behandelt. Die Schnittstellen der Bahnhöfe werden durch ihre hohe Nutzungsfrequenz und Zentralität zu neuen Adressen in der Stadt, die eine entsprechende Entwicklung in ihrem Umfeld anstoßen.

Stadt der produktiven Welten

Das Karlsruhe der produktiven Welten setzt nicht nur auf Kopf-sondern auch auf Handarbeiter. Durch die Förderung von Nutzungsmischungen und deren Synergien, dem Ausbau von Nischen, dem bewussten Freihalten von Flächen und dem Etablieren eines neuen Gebietstypus wird die Zukunftsfähigkeit der Stadt langfristig ausgebaut. Ein breites wirtschaftliches Standbein bedeutet dabei Resilienz im Marktgeschehen und Wettbewerbsfähigkeit. Nutzungsmischungen werden gefördert und gefordert um der Maßgabe des haushälterischen Umgangs mit Flächen Rechnung zu tragen. Der Branchenmix und die räumliche Nähe der Firmen und Institutionen zueinander ist die Basis für Kooperationen und Synergien, räumlich wie virtuell, deren Nutzung neue Wertschöpfungsketten und lokale Kreisläufe möglich macht.

Stadt der Nachbarschaften

Klimawandel, Ressourceneffizienz, Demographie, zunehmender Wettbewerb der Städte – um sich diesen absehbaren Herausforderungen im Rahmen der Stadtentwicklung optimal stellen zu können, bedarf es der Mitwirkung und Beteiligung verschiedenster Akteure, vom Stadtplaner bis zum Stadtbewohner. Karlsruhe besteht aus unterschiedlichsten Nachbarschaften, welche die Bezugseinheit für das tägliche Leben der Karlsruher sind. Jede dieser Nachbarschaften verfügt über eine Grundausstattung, als Basis für eine Stadt der kurzen Wege und der Heimaten. Auf dieser Handlungsebene sind Problemlagen greif- und lösbar.

Stadt der Freiräume

Karlsruhe ist und bleibt eine sehr grüne Stadt. Die Freiräume sind in drei übergeordneten Kategorien aufgeteilt in denen unterschiedliche Strategien Anwendung finden und die gemeinsam das Freiraumgerüst der Stadt bilden. Mit dem Bekenntnis zur Innenentwicklung hat sich die Stadt Karlsruhe als Ziel gesetzt keine weiteren Flächen zu verbrauchen. Damit ist ein wichtiger Schritt getan um die noch vorhandenen Freiräume und Landschaften nicht als Restprodukt der Siedlungsentwicklung zu begreifen, sondern ihre Funktion und Form aktiv zu gestalten. Gerade im Hinblick auf das erwartete Einwohnerwachstum und die damit verbundene erhöhte Freiraumnachfrage werden Parks und Landschaften in Zukunft wichtige Bausteine der gesamtstädtischen Entwicklung Karlsruhes sein. Dies wird durch aktuelle Klimaprognosen bzw. dem Bedarf nach Kaltluftentstehungsgebieten und Naherholungsflächen noch verstärkt.

 

Verfasser
SUS, berchtoldkrass, Studio UC
Auftraggeber
Stadt Karlsruhe
Zeitraum
2014 - 2015
Fläche / Bauvolumen
Gesamtstadt Karlsruhe
Programm
Entwicklung eines räumlichen Leitbilds mit Vertiefungsbereichen
Verfahren
Planungswerkstatt nach Präqualifikation
Bearbeitung
Leitbild, Rahmenplan Dynamisches Band

Prof. Dr. Martina Baum
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Universität Stuttgart, SuE: Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen