Architektur: Umbau Pferdeschlachthaus, Alter Schlachthof Karlsruhe / D
Lage & Kontext

Das Pferdeschlachthaus befindet sich an einer sehr zentralen und prominenten Stelle im Alten Schlachthof. Mit der neuen Südzufahrt in den Schlacht-hofflügel, der neuen Straßenbahntrasse Südost sowie der Fuß- und Radwegeverbindung in den Otto-Dullenkopf-Park bekommt dieser Standort eine neue Wertigkeit. Das Pferdeschlachthaus ist weithin sichtbar mit seiner markanten Dachlaterne. Besonders die Südfassade wird zum Gesicht des Schlachthofs am Südeingang. Die Gestaltung der Fassade mit dem Aufzugsschacht und der vertikalen Fassadengliederung mit vorgeschalteten Anlieferrampen muss dieser Rolle und Lage Rechnung tragen.

Historie

Das von Baumeister Friedrich Beichel geplante Pferdeschlachthaus wurde 1914 erbaut. Es entstand zeitgleich mit dem Schweineschlachthaus und Kesselhaus an der Durlacher Allee. Die Nutzung des Gebäudes als tatsächliches Schlachthaus für Pferde ist nicht nachgewiesen. Das Obergeschoss des Gebäudes wurde von Be-ginn an für Verwaltungszwecke genutzt. Einige Einbauten wie die Kassendurchreiche oder Stahltresore erinnern an diese vormalige Nutzung.

Kommunikation zwischen Innen und Außen

Das Leben im Alten Schlachthof findet sowohl Innen als auch Außen statt. Jedes Gebäude im Alten Schlachthof strahlt eine sogenannte Aurazone in den Freiraum aus. Diese Zone vermittelt zwischen Innen und Außen, zwischen Privat und Öffentlich. Die Aurazone darf von den Nutzern des Gebäudes genutzt und bespielt werden. Die Kommunikation zwischen Innen und Außen hat eine wichtige Bedeutung. Der Vorbeigehende soll sehen, was in den Gebäuden passiert, die Nutzer ebenso ihre Arbeit und Produkte nach Außen präsentieren können. Diese Sichtbarkeit hat auch einen wichtigen Aspekt für die Sicherheit des Ortes: »Augen auf die Straße« wird hier zu »Augen in den Freiraum und Augen in das Gebäude«. Das Pferdeschlachthaus hat die Besonderheit drei unterschiedlicher Höhenniveaus in dieser Aurazone. Das macht das Gebäude so interessant und die Möglichkeiten der Nutzung der Aurazone so vielfältig.

Die Beziehung und Kommunikation zwischen Innen und Außen ist uns besonders wichtig. Die drei unterschiedlichen Höhenniveaus bieten dazu ein sehr großes Potenzial, welches wir im Zuge der Umnutzung des Gebäudes ausbauen wollen. Neue direkte Zugänge in die Nutzungseinheiten können ebenso geschaffen werden, wie »Balkone« und Sitzstufen, die zur Nutzung einladen. Das Gebäude wird deutlich in seine Aurazone hineinwirken und diese Zone aktiv besetzen. Die Fassaden werden größtmöglich durch Fensterelemente geöffnet und bieten Ein- und Ausblicke in den Freiraum.

Gemeinschaft im Großen und Kleinen

Die Gemeinschaftszone übernimmt im Gebäude eine wichtige und zentrale Funktion. Sie ist Erschließungselement und Verteiler im Gebäude. Alle Nutzungseinheiten können über diese Zone aus erschlossen werden. Sie ist zudem das zentrale Service- und Infrastrukturelement mit den Toiletteneinheiten sowie Teeküchen. Nicht zuletzt ist sie auch zentrale Aufenthalts- und Begegnungszone. Die Nutzer kommen hier zwangsläufig zusammen, treffen sich hier bewusst oder spontan, können sich hier austauschen, besprechen oder auch feiern. Die Gemeinschaftszone ist somit Erschließungsfläche, Pausen- und Besprechungsraum, Lümmelecke und Schauraum. Diese Funktionen sehen wir als besonders wichtig in einem Gebäude an, welches auf kreative Nutzungen und Nutzer ausgerichtet ist.

Atmosphären

Der Umbau des Pferdeschlachthauses baut auf den vorhandenen Potenzialen auf und entwickelt diese weiter. Die Nutzer sollen die Möglichkeit haben sich ihre Räume anzueignen und durch Einbauten, Möblierung und Gestaltung zu modifizieren. Die Planung liefert einen Rahmen innerhalb dessen dies passieren kann. Ein veredelter Rohbau – so kann die Innenausstattung der Räume beschrieben werden. Neben den privaten Räumlichkeiten der Nutzer gibt es gemeinschaftliche Bereiche mit Infrastruktur wie Küche und Toiletten. Diese Bereiche sind für uns besonders wichtig als Kontakt- und Kommunikationszonen.

Auch nach Außen sollen die Veränderungen sichtbar sein. Dabei spielen die Eingänge in das Gebäude und auch die Aurazonen eine wichtige Rolle. das Innenleben soll sich nach Außen zeigen und Einblicke in das Innenleben des Gebäudes möglich sein.

Verfasser
SUS, zwo/elf Matthias Tebbert
Auftraggeber
Karlsruher Fächer GmbH
Zeitraum
2012 - 2019
Fläche / Bauvolumen
1.900qm BGB
Programm
Tranformation in ein Haus für Künstler und Kreativschaffende
Bearbeitung
Machbarkeitsstudie 2012, Konzept, Entwurf und Umsetzung, LP 1-3 S.US, LP 4-9 zwo/elf Matthias Tebbert

Prof. Dr. Martina Baum
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Universität Stuttgart, SuE: Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen