Vortrag Baukultur im ländlichen Raum

Vortrag Baukultur im ländlichen Raum

Vortrag von Prof. Dr. Martina Baum “Auf dem Weg zur vitalen Gemeinde: Perspektiven und Strategien
03. Juli 2017 in Meßkirch

Soziokulturelle Veränderungen, demographischer Wandel und technische Innovationen verändern nicht nur die Bedürfnisse der Gesellschaft sondern auch als Resultat die gebaute Umwelt. Die daraus entstehenden Herausforderungen und Aufgaben stellen sich unumgänglich nicht nur für den urbanen sondern auch für den ländlichen Raum grundsätzlich zur Diskussion.

Auf Stadt wie Land lastet der Druck, (auch) künftig erfolgreich als Lebens- und Arbeitsorte zu bestehen, um resilient und zukunftsfähig aufgestellt zu sein. Der klassische Stadt-Land-Gegensatz ist in Westeuropa aufgelöst, neue Kommunikationstechnologien und reale wie virtuelle Vernetzung führen zu einer kompletten Urbanisierung. Dennoch sind die Bedingungen und Begabungen von Orten nicht überall gleich. Trotz der neuen Technologien und Vernetzung unabhängig von realen Orten leben die Menschen im realen Raum. Zwar ist das Ziel der überall gleichen Lebensverhältnisse die Prämisse, aber dieses Leitbild wird oftmals zum verklärten Wunschbild. Die Unterschiede zwischen den Regionen und Orten sind groß. Einige florieren, andere stagnieren oder schrumpfen in ihrer Entwicklung und Bedeutung gleichermaßen.

Trotz aller Renaissance der Städte ist der ländliche Raum in den letzten Jahren wieder verstärkt ein Sehnsuchtsort geworden. Ursprünglichkeit, Ruhe, Abgeschiedenheit, einfache Lebensweise und Ortsverbundenheit werden projektiert. Der Zeitschriftenmarkt liefert die passenden Bilder und Geschichten in immenser Auflage mit Leserschaft aus dem urbanen wie auch ruralen Kontext. Auch das regionale Marketing vermittelt idyllische Ort- und Landschaften mit unverwechselbarer Identität und günstigen Baulandfächen.

Die idyllischen Werbebilder zeigten allerdings nur einen kleinen Ausschnitt der gebauten Realität. Vor Ort immer die gleiche Logik: verfallende Ortskerne umrahmt von immer weiter wachsenden Einfamilienhaussiedlungen und Gewerbegebieten am Rand. Weite Teile der Ortschaften verfügen nicht mehr über unverwechselbare Ortsidentität sondern reproduzieren internationalisierte und kommerzialisierte Codes zu generischen Siedlungen: Schwedenhäuser aus rot lackiertem Holz, Villen im Toskanastil, Bauträgerhäuser mit Wärmedämmverbundsystem, kanadische Blockhausarchitektur und kubistische Gebäude in Anlehnung an die Moderne versammeln sich zu einer austauschbaren und eigenschaftslosen Kakophonie. Das Gleiche gilt für die Gewerbegebiete. Auch hier die immer gleichen Architekturen der Handelsketten und Gewerbebauten umrahmt von großen Parkplätzen und aufmerksamkeitsheischenden Werbeschildern. Auch die so idealisierte Natur mit Bildern regionaler Landschaftstypen und Pflanzensorten lässt sich in den industriell agrarisch genutzten Flächen nicht mehr finden. Scheinbar endlose Felder mit überall gleichen Monokulturen haben vielerorts ihren Platz eingenommen. Zwar bewerben die großen Supermarktketten aktuell wieder die regionalen Produkte, die in den Regalen zu finden sind, summenmäßig betrachtet kommt dennoch die Mehrzahl aus der ganzen Welt und nicht vom Bauern um die Ecke.

Es stellt sich nun die Frage, wie mit dieser Diskrepanz von Wunsch und Wirklichkeit umgegangen wird und welche Strategien Gemeinden im ländlichen Raum verfolgen. Der Beitrag führt in die Thematik anhand von Forschungsarbeiten des Lehrstuhls ein und zeigt im Anschluss anhand von zwei Projekten aus der Büropraxis des STUDIO . URBANE STRATEGIEN mögliche Strategien auf.

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