Bahnstadt Nürtingen / D

Städtebauliche Neuordnung und Nachverdichtung des Bahnhofs und Bahnhofsumfelds

Stadt in der Landschaft – Landschaft in der Stadt
Nürtingen ist eingebettet in die umgebende Landschaft, die sich mit der bebauten Struktur verschränkt. Die beiden Bäche Steinach und Saubach bieten das Potenzial, den Landschaftsraum als Freiraumqualität nun bis ins Stadtzentrum und bis zum Neckar hin zu denken. Die Bachläufe ziehen die Landschaft in den Kern, bieten Aufenthaltsqualitäten entlang des Wassers und ergänzen das Straßennetz durch attraktive Wege für Fußgänger und Radfahrer.

Bahnhof Nürtingen als öffentlicher Ort
Aus der Kombination von Mobilitätsdrehscheibe, attraktivem Freiraum, Wegeverbinder und öffentlichen Programmen wird der Bahnhof wieder zu einem zentralen Ort für und in der Stadt mit großer Attraktivität und hoher Frequenz. Als Ort alltäglicher Tätigkeiten ergänzt er zukünftig das bestehende Netz der öffentlichen Räume. Zentrales Element dabei ist die Bahnhofshalle unter den Gleisen, welche die Altstadt mit der Kirchheimer Vorstadt großzügig und licht auf einer Breite von 25m verbindet und den Saubach offen in der Halle führt. Von hier aus werden alle Mobilitäts- und Serviceangebote erschlossen und miteinander verknüpft. Als besondere Schnittstelle zur Altstadt wird die Fläche des ehemaligen ZOB bewusst freigelassen und der Bach auch hier geöffnet. So wird der Ort zu einem wichtigen Teil des Freiraumbands entlang des Saubachs. Dieser grüne öffentliche Raum ist sonniger Pausen- und Aufenthaltsraum am Wasser und mit Spiel- und Terrassenflächen ein vielfältig nutzbarer Freiraum am Puls der Stadt.

Kirchheimer Vorstadt weitergedacht
Östlich des Bahnhofs entsteht mit dem Quartiersbereich Ost (E, F) ein neuer Teil der Kirchheimer Vorstadt. Die vorgefundene Struktur wird um vier weitere Baufelder ergänzt. Diese werden durch eine öffentlichkeitsattraktive Erdgeschosszone mit einer Höhe von 4,5m als Sockel ausgebildet, aus dem sich die Bebauung der Obergeschosse heraus entwickelt. Auf dem Sockel entsteht eine Mischung aus gefördertem und freifinanziertem Wohnungsbau in Geschosswohnungsbau und Stadthäusern, ergänzt durch Sonderwohnformen wie studentisches Wohnen und Mehrgenerationen-Wohnen. Die Räume zwischen den Baufeldern werden als öffentlich, verkehrsberuhigt und mit Aufenthaltsqualitäten ausgebildet. Abgeleitet aus den bestehenden Bereichen der Kirchheimer Vorstadt sind diese befestigt und Baum frei, die gemeinschaftlichen Hofflächen hingegen intensiv begrünt und mit Bäumen bestanden.

Übergänge zwischen privat und öffentlich gestalten
Das Bedürfnis der Menschen nach gemeinschaftlichen Räumen neben den klassisch öffentlichen und privaten nimmt zu, die Wohnbedürfnisse und die Anforderungen an das Wohnumfeld sind vielfältig und je nach Lebenssituation verschieden. Diesen Wünschen müssen Bebauung wie Freiraum des neuen Quartiers entsprechen. Die öffentlichkeitsattraktive Erdgeschosszone mit unterschiedlichsten Nutzungen belebt den öffentlichen Raum und schafft Angebote, die alltäglichen Bedürfnisse unmittelbar im Quartier zu befriedigen. Jedes Baufeld verfügt zusätzlich über einen Rücksprung im Sockel. Dieser erweitert den öffentlichen Raum um eine „geschützte Öffentlichkeit“, die den Übergang und Zugang zum Wohnen darstellt. An diesen Rücksprung angegliedert sind gemeinschaftliche Nutzungen und besondere Wohnformen sowie die – auch barrierefreie – Erschließung für das Baufeld. Mittels eines Hofes auf dem Sockelbaukörper werden die unterschiedlichen Wohnangebote erschlossen. Hier befinden sich auch die Freiflächen für die Baufeldgemeinschaft. Die robuste Struktur der Baufelder mit Sockelgeschoss erlaubt es, unterschiedlichste Wohnformen in den Obergeschossen aufnehmen zu können. Diese Vielfalt zeigt sich in der Gliederung der Fassaden und den Dachformen, bleibt aber als architektonische Einheit lesbar und wirksam.

Verfasser: STUDIO . URBANE STRATEGIEN, UTA ARCHITEKTEN UND STADTPLANER, TH Landschaftsarchitektur
Team S.US: Martina Baum, Christiane Kolb
Auftraggeber: Stadt Nürtingen
Zeitraum: 2017
Fläche / Bauvolumen:10,5 ha
Programm: Neukonzeption Bahnhofsumfeld, Nachverdichtung und Freiraumplanung
Bearbeitung: Offener zweiphasiger städtebaulicher & freiraumplanerischer Wettbewerb mit Ideenteil / Teilnahme