Josefsviertel, Moers / D

Städtebaulicher Wettbewerb zur Nachverdichtung und freiräumlichen Qualifizierung einer Nachkriegssiedlung

Schaffung von Nachbarschaften
Durch die aufgelockerte bauliche Struktur und die offene Freiflächengestaltung gibt es im Josefsviertel bislang wenig Identifikationselemente, um sich als Bewohner einer Nachbarschaft zugehörig zu fühlen. Das entwickelte Konzept setzt genau an dieser Stelle an. Heimaten entstehen dort, wo auch Orte der Zugehörigkeit identifiziert werden können. In einer Nachbarschaftsgemeinschaft kennt man sich, teilt Räume und Aufgaben, feiert gemeinsam und gestaltet sein räumliches Umfeld. Eine Nachbarschaft kann in diesem Sinne zu einer Heimat werden.

Die Anordnung der Neubauten macht es möglich die bislang aufgelockerte, zuordnungsfreie Struktur der bestehenden Bebauung zu brechen und einzelne, klar identifizierbare Nachbarschaften auszubilden. Die neuen 4-geschossigen Neubauten ergänzen den Bestand in einer behutsamen Nachverdichtung um jeweils 8 – 10 barrierefreie Wohnungen mit unterschiedlichen Größen und Grundrisszuschnitten. Ergänzt wird das Programm durch den Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss, welcher sich unmittelbar an den Gemeinschaftsplatz anlagert und von dort zugänglich ist.

Freiflächen als Qualität
Freiflächen gibt es im Bereich des Geschosswohnungsbaus des Josefsviertels im Überfluss. Momenten sind es pro Person ca. 40qm, die allerdings bislang nicht als Qualität wahrgenommen und nur wenig genutzt werden. In Zukunft möchten wir diesen fließenden Freiraum in unterschiedliche Raumbereiche und -charaktere gliedern: größere Flächen, kleine Nischen, private Mietergärten und gemeinschaftliche Plätze ergänzen zusammen mit den Neubauten das Konzept der Nachbarschaften und schaffen eine räumliche Zugehörigkeit.

Die Nachbarschaftsplätze spannen sich zwischen den Altbauten und dem Neubau auf und markieren einen Ort für gemeinschaftliche Nutzung. In Kombination mit dem angrenzenden Gemeinschaftsraum im Neubau bieten sie Raum für gemeinsames Feiern, Spielen, Werkeln oder einfach Zusammensitzen. Die Plätze sind die zentralen Orte der jeweiligen Nachbarschaft. Durch die gute Einsichtnahme und die Zuordnung zu einer Nachbarschaft ist die soziale Kontrolle dieser Plätze gewährleistet.

Cluster aus Mietergärten gruppiert um eine gemeinschaftliche Zone gliedern die Wiesenflächen. Die Abgrenzung der Mietergärten erfolgt durch zwei einfache und kostengünstige Elemente, welche die maximale Ausdehnung der Gartennutzflächen anzeigen. Das System besteht aus niedrigen Wandscheiben aus Beton in Sitzhöhe sowie aus einem Metallgestänge zur Nutzung als Rankgerüst für Pflanzen oder als Wäschestange.

Verfasser: STUDIO . URBANE STRATEGIEN, Dietmar Lorenz Landschaftsarchitektur
Auftraggeber: Stadt Moers
Zeitraum: 2013
Fläche / Bauvolumen: ca. 20ha
Programm: Nachverdichtung und Freiraumplanung
Bearbeitung: begrenzt offener städtebaulicher Wettbewerb / Teilnahme